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Ein Freiwilliges Politisches Jahr ist eine super Gelegenheit, sich auszuprobieren und einen Einblick in das Berufsleben zu bekommen. Für Menschen mit Legasthenie, ist es auch ein guter Test, um die erworbenen Strategien auszuprobieren.

Für mich war klar, dass ich etwas im politischen Leben machen wollte. Deswegen habe ich mich für ein FSJ-Politik in einem Verein, der über Krieg und Gewaltherrschaft aufklärt entschieden.

Bewerbung

Audio: Bewerbung

Es ist grundsätzlich eine Debatte, ob man eine Legasthenie bei einer Bewerbung erwähnt. Ich habe es zumindest getan. Wieso? Ich denke, ohne sie wäre ich nicht, wer ich bin, und eine zu haben hat auch Vorteile! Wichtig dabei ist, zu erwähnen welche Stärken durch die Legasthenie ermöglicht und geprägt wurden.

Ich habe die Bewerbung zuerst durch technische Hilfsmittel erstellt und bin sie dann mit anderen Personen noch mal durchgegangen.

Beim Bewerbungsgespräch wurden dann auch Fragen zur Legasthenie gestellt. Hier habe ich darauf geachtet, bei den Beschreibungen der Einschränkungen, immer auch gleich Methoden zu erwähnen wie ich sie ausgleiche. Wenn ihr sie noch nicht im Bewerbungsschreiben erwähnt hattet, solltet ihr, wenn ihr meint, das es im Alltag nicht unauffällig ist, es hier anmerken.

Der Alltag im Büro

Audio: Der Alltag im Büro

Mein FSJ ist eine 39 Stunden Stelle und der größte Teil der Arbeitszeit ist im Büro.

Natürlich gibt es hier Schwierigkeiten, die im Alltag entstehen. Wie erstellt man am besten Schreiben? Wie macht man sich Notizen in Besprechungen und Telefonaten ohne das man dabei zu abgelenkt wird? Und wie kann man effektiv recherchieren? Diese und ähnliche Fragen stellten sich mir am Anfang von meinem FSJ. Im Laufe des Letzten halben Jahres habe ich, mir Bekante Strategien auf die Probe gestellt und habe neue Ausprobiert.

An einem normalen Tag komme ich um 9 Uhr. Zunächst lasse ich mir durch den Computer alle relevanten E-Mails in doppelter Geschwindigkeit vorlesen. Dann sehe ich mir alle die eine Antwort erfordern genauer an.

Wenn ich antworte, kopiere ich den Namen des Absenders direkt aus der E-Mail, um Fehler zu vermeiden. Anschließend beginne ich die Beantwortung direkt in einem Text zu Sprache Programm (TTS) ein zu tippen und lasse mir jeden Satz vorlesen (Fehler lassen sich raushören).

Alternativ verwende ich auch Diktierprogramme um Rechtschreibfehler zu umgehen. Dies ist allerdings Fehler anfällig und benötigt hohe Aufmerksamkeit sowie Ruhe.

Zum Schluss Kopiere ich den Text in die Duden Recht­schreib­prüfung online und lasse mir ein letztes mal alles vorlesen.

Bei Besprechungen und Telefonaten mache ich mir nur kurze Notizen. Diese übertrage ich direkt danach in ein Dokument. So spare ich mir lange, mit der Hand geschriebene Texte lesen zu müssen und kann dem Gespräch besser folgen.

Der Rest des Tages besteht häufig aus der Vorbereitung von Bildungsprojekten. Dabei muss ich meist Recherchieren und die Informationen aufarbeiten. Dies ist durch TTS eine leichte Sache.

Die anderen Tage

Audio: Die anderen Tage

Wenn ich nicht im Büro bin, begleite ich meist Schulprojekte. Dabei kann es auch mal vorkommen, dass ich mit dem Vorlesen von Texten konfrontiert werde. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, die Schüler an dieser Stelle einzubinden.

Doch nicht immer lässt es sich so leicht umgehen. Am Volkstrauertag sollte ich das Totengedenken im Berliner Dom halten. Mir war bewusst, dass ich dieses nicht ablesen konnte weil Fehler in diesem Rahmen, nicht gut überspielbar wären. In diesem Moment funktioniert bei mir nur eins: Auswendig lernen und hoffen, dass ich nichts vergesse!

Im Großen und Ganzen gibt es allerdings nur wenige Situationen, in denen die Legasthenie zu einem Problem wird und falls doch, dann gibt es immer eine Lösung dafür.

Fazit

Audio: Fazit

Meiner Meinung nach ist außerschulische Bildung und Legasthenie kein Widerspruch. So lange es die Möglichkeit gibt die Arbeit im Büro am Computer zu machen und der Zugang zu Hilfsmitteln gewährleistet ist, kann man trainiert, genau so effektiv sein, wie eine nicht betroffene Person.

Die neuen Erfahrungen durch das FSJ sind unersetzbar und ich würde jedem, der noch nicht weiß was er nach der Schule machen will, erst mal ein FSJ zu machen empfehlen, um sich beruflich zu orientieren und einen Einblick in das Berufsleben zu bekommen.


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