Studieren mit Legasthenie ist oft von vielen Hürden geprägt. Von langen Texten, die schwer zu erfassen sind, bis hin zu Hausarbeiten unter Zeitdruck, die Herausforderungen sind groß. Gleichzeitig gibt es aber auch eine Vielzahl an Hilfsmitteln und Strategien, die den Studienalltag spürbar erleichtern und mehr Raum für die eigenen Stärken schaffen können. Hier sind drei Hilfsmittel, die mir jede Woche im Studium eine große Unterstützung sind.
Read Aloud: A Text to Speech Voice Reader
Mit Read Aloud können Texte für Seminare und Vorlesungen schnell und einfach vorgelesen werden. Dafür müssen die PDF oder Webseiten lediglich in Chrome oder Firefox geöffnet werden. Anschließend markiert man den gewünschten Abschnitt, klickt mit der rechten Maustaste darauf und wählt „Read Aloud selected text“ – schon wird der Text vorgelesen.
Das Tolle an dieser Software ist, dass neben der manuell steuerbaren Geschwindigkeit, Tonhöhe und Stimme auch automatisch die jeweilige Sprache erkannt wird. Dadurch werden Texte direkt in der passenden Sprache wiedergegeben. Gerade im akademischen Kontext, in dem häufig zwischen deutschen und englischen Texten gewechselt wird, macht das die Arbeit deutlich einfacher.
NotbookLM – Ein großartiger Helfer beim Studieren mit Legasthenie

NotebookLM hat eine Vielzahl von Anwendungsfällen, sowohl zur Vorbereitung und Begleitung von Seminaren als auch beim Schreiben von Hausarbeiten. Es funktioniert wie ein Sprachmodell, das speziell auf ein konkretes Dokument oder eine bestimmte Auswahl an Dokumenten ausgerichtet ist.
Wenn man dem Programm einen Text gibt, erstellt es automatisch zunächst eine Kurzzusammenfassung. Anschließend kann man dem Programm Fragen zum Text stellen, die es direkt mit Belegen aus dem Originaltext beantwortet. Das macht es in einer Seminarsitzung besonders praktisch: Während man der Diskussion folgt, kann man schnell etwas im Text nachschauen, ohne den gesamten Text erneut lesen zu müssen.
Des Weiteren gibt es die Funktion „Audiozusammenfassung“. Damit werden Texte in eine Art Podcast umgewandelt, in dem sich zwei Stimmen über die Kernaussagen des Textes unterhalten. Das ist besonders hilfreich, um sich nicht nur durch das reine Vorlesen, sondern auch auf eine andere Weise Gedanken zur Vorbereitung eines Textes für ein Seminar zu machen. Das funktioniert übrigens auch mit Präsentationsfolien, zum Beispiel zur Vorbereitung auf Klausuren.
Inzwischen gibt es diese Funktion auch auf Deutsch und sie wurde sogar um eine Video-Diashow ergänzt.
Mehr zu diesem Thema findet ihr in einem Blogpost von mir.
ChatGPT als Korrektursoftware
Auch ChatGPT habe ich bereits auf meinem Blog als technisches Hilfsmittel für Menschen mit Legasthenie vorgestellt. Hier möchte ich jedoch noch einmal konkret auf die Vorteile als Unterstützung im Studium eingehen.
Beim Schreiben von Texten für die Uni, seien es einfache Abgaben, Hausarbeiten oder sogar eine Abschlussarbeit, ist ChatGPT ein hervorragendes Hilfsmittel zur Korrektur. Viele klassische Textkorrekturprogramme arbeiten entweder wortweise, was sehr mühsam ist, oder sie korrigieren den gesamten Text gleichzeitig. Dabei sind sie jedoch oft anfällig für Fehler, weil sie den Kontext nicht berücksichtigen. Dieses Problem hat man bei Sprachmodellen nicht, dafür ein anderes, dass beachtet werden sollte. Beim Prompten (Befehlen) muss darauf geachtet werden, dass die Korrektur den eigenen Text nur auf Rechtschreibung überprüft. Andernfalls kann das Programm den Text nicht nur umformulieren, sondern manchmal auch die Bedeutung verändern oder zusätzliche Informationen einfügen.
Alles im Zusammenspiel
Studieren mit Legasthenie bringt viele Herausforderungen mit sich, doch mit den richtigen Hilfsmitteln lässt sich der Studienalltag deutlich leichter gestalten. Tools wie Read Aloud, NotebookLM und ChatGPT zeigen, wie vielseitig digitale Unterstützung sein kann: vom Vorlesen wissenschaftlicher Texte über das schnelle Erstellen von Zusammenfassungen bis hin zur gezielten Korrektur eigener Arbeiten. Entscheidend ist dabei, die jeweiligen Funktionen bewusst zu nutzen und sie an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. So entsteht mehr Raum für die eigentlichen Inhalte des Studiums und vor allem für die eigenen Stärken.
0 Kommentare